Das Dürre-Drama der Bauern Spaniens | DW

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Der Stausee La Viñuela ist der wichtigste Wasserspeicher der südspanischen Provinz Malaga. Doch nach Monaten ohne Regen und nach einer historischen Hitzewelle ist der See, der normalerweise sechs Kilometer lang und 100 Meter tief ist, nur noch zu zwölf Prozent gefüllt. Die Talsperre, die im Sommer eigentlich ein beliebtes touristisches Ausflugsziel ist, schrumpfte zu einer Pfütze, die nun von einer ausgetrockneten Schlammwüste umgeben ist.

“Die Lage ist dramatisch”, sagen die Bauern, denen schon vor Wochen die Wassermengen, die sie aus dem Stausee auf ihre Felder leiten dürfen, auf ein Minimum reduziert wurden. Das hat katastrophale Folgen für die Landwirtschaft: Denn in der Umgebung des Sees liegt Europas größter Avocado-Garten. Die Avocados, die hier in Andalusien auch für deutsche Supermärkte angebaut werden, sind ausgesprochen durstig. Ohne Wasser wachsen sie nicht.

Dicht an dicht auf einer riesigen Fläche: Gewächshäuser nahe Almeria

Bäume werden geopfert 

Immer mehr Bäume verdorren, der Boden der Felder ist mit vertrockneten Früchten übersät. In der Not greifen die Avocado-Züchter zu drastischen Mitteln: Um nicht die ganze Ernte zu verlieren, haben viele damit begonnen, einen Teil ihrer Avocado-Bäume auszureißen. “Es ist besser, einige Bäume zu opfern, damit die anderen ausreichend Wasser bekommen”, erklärt die örtliche Bauernvereinigung.

Domingo Medina ließ 1500 seiner 6000 Avocado-Bäume abholzen. Viele Bauern stünden vor dem Aus, weil sie von ihren Plantagen nicht mehr leben können, sagt er. Wenn es nicht bald regne und sich die Talsperre fülle, könnte das Wasser für die Äcker demnächst ganz abdreht werden, befürchtet Medina, der Chef des Tropenfrüchteverbandes. Wenn das kostbare Gut knapp wird, hat die Trinkwasserversorgung der 200.000 Einwohner, die im Einzugsgebiet der Talsperre leben, absoluten Vorrang.

Folgen des Klimawandels: Ein fast ausgetrockneter Stausee in Spanien

Auch die Olivenbauern leiden 

Das Drama der Avocado-Bauern ist kein Einzelfall. Die gesamte Landwirtschaft der Nation leidet unter der schlimmsten Dürre, die in Spanien seit Jahren registriert wurde, berichtet der Bauernverband Asaja: Oliven, die an Millionen Bäumen auf andalusischen Plantagen wachsen, verschrumpeln. An der Mittelmeerküste im Raum Valencia vertrocknen Orangen, Mandarinen und Zitronen. In den Weinbergen in Nordspanien versuchen die Winzer, durch eine vorgezogene Weinlese ihre Ernte vor dem Vertrocknen zu bewahren.  

Auf kurzfristige Rettung vom Himmel können Spaniens Landwirte derzeit nicht hoffen. Wenigstens bis Oktober, glauben die Meteorologen des staatlichen Wetterdienstes Aemet, werde die Dürreperiode wohl anhalten – vielleicht sogar länger. Auch für die nächsten Jahre haben die Wetterexperten keine guten Nachrichten. “Die Prognosen signalisieren, dass die Dürrezeiten in Spanien künftig noch öfter auftreten werden”, sagt Aemet-Sprecher Rubén del Campo. Das sei eine klare Folge des durch die Treibhausgase verursachten Klimawandels.

Noch kommt Wasser – hier an einem Brunnen in Sevilla

Düstere Aussichten für die Bauern, die sich darauf einstellen müssen, dass sie dieses Jahr drastische Ernteausfälle erleiden. So rechnen zum Beispiel die spanischen Olivenöl-Produzenten damit, dass sie nur die Hälfte der üblichen Ernte einfahren. Diese Ausfälle werden die Preise des ohnehin nicht billigen Olivenöls in Europa weiter in die Höhe treiben, warnt Aurelio Juzgado, Chef der Fabrikantenvereinigung. Spanien ist mit Abstand der größte Olivenölproduzent der Welt.

Landwirtschaft “größter Wasserverschwender”? 

Beim Anbau der Sonnenblumen, die auf vielen Feldern entlang der spanischen Autobahnen wachsen, sieht es nicht viel besser aus: Hier schätzt die Branche die erwarteten Einbußen auf bis zu ein Drittel der Erntemenge des Vorjahres. Auch das wird sich vermutlich auf dem europäischen Markt bemerkbar machen, wo seit Beginn des russischen Krieges gegen die Ukraine das Sonnenblumenöl knapp ist. Die Ukraine und Russland sind weltweit die größten Exporteure von Sonnenblumen-Öl, Spanien ist einer der großen Hersteller innerhalb der EU. In Deutschland haben die Landwirte als Reaktion auf die Entwicklung den Anbau von Sonnenblumen mehr als verdoppelt.

Das Landwirtschaftsministerium in Madrid rechnet zudem mit einer deutlich geringeren Getreideernte. Nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Efe könnten die Dürre-Einbußen beim Abbau von Gerste, Roggen und Weizen bei rund 25 Prozent liegen. Landwirtschaftsminister Luis Planas versprach den Bauern inzwischen Millionenhilfen, um ihre Felder für eine Zukunft mit längeren Dürrezeiten und weniger Wasser vorzubereiten – etwa mit effizienterer Technik. “Wir müssen das Wasser besser nutzen”, sagt Planas.

Umweltschützer kritisieren seit Langem, dass Spaniens Landwirtschaft der größte Wasserverschwender der Nation ist. Auf vielen Feldern wird das Wasser immer noch mit veralteten Beregnungsanlagen weitflächig und ziemlich ungezielt auf die Plantagen geschüttet. 70 bis 80 Prozent des gesamten nationalen Trinkwassers versickert auf den Feldern. Der Umweltverband WWF nennt dies einen “selbstmörderischen Umgang” mit dem immer knapper werdenden Gut Trinkwasser.

Spaniens Wasserkrise sei hausgemacht, sagt Greenpeace-Sprecher Julio Barea. Er wirft der spanischen Regierung und den lokalen Umweltbehörden vor, die aktuelle Notlage durch Mangel an Voraussicht mit verursacht zu haben. Die Wassersparpläne seien viel zu spät aktiviert worden. “Die Dürren muss man bekämpfen, wenn es noch genügend Wasser gibt”, sagt Barea, “und nicht erst, wenn wir keines mehr haben.”

  • Italien ächzt unter Trockenheit

    Vollkommen ausgetrocknet

    Der Wildbach Sangone, ein Nebenfluss des Po, in der Nähe von Turin, ist völlig trocken. Nach einer anhaltenden Dürreperiode haben der Fluss Po und sein Einzugsgebiet einen Wasserdurchfluss von weniger als der Hälfte des Normalwerts. Der Po gilt als Lebensader Norditaliens. Aktuellen Prognosen zufolge sind anhaltende Niederschläge weiter nicht in Sicht.

  • Italien ächzt unter Trockenheit

    Sie schwimmen nicht mehr

    Die Luftaufnahme zeigt die Ponte delle Barche (Brücke der Boote) in Bereguardo bei Pavia in der Lombardei und den niedrigen Wasserstand des Flusses Tessin im März 2022. Die Brücke wurde zunächst als Provisorium dem Lauf des Flusses folgend gebaut, wobei die unterstützenden Boote bei steigendem Wasserstand des Tessins schwammen. Nun liegen sie auf Grund und nehmen zwangsläufig Schaden.

  • Italien ächzt unter Trockenheit

    Mineralwasser für die Pflanzen

    Ein Mann gießt die Pflanzen in seinem Garten mit Mineralwasser. 125 Städte in den Regionen Piemont und Lombardei haben damit begonnen, das Leitungswasser zu rationieren. Die Regierung rief den nationalen Dürre-Notstand aus, um die Folgen der schlimmsten Dürre in Norditalien seit Jahrzehnten besser bekämpfen zu können.

  • Italien ächzt unter Trockenheit

    Privater Brunnen

    Inmitten dieser Dürre-Katastrophe liegt Marina Piceno, 64, in einem aufblasbaren Pool in ihrem Garten. Das Wasser dafür kommt aus ihrem privaten Brunnen. Der Ausnahmezustand gilt in einigen Regionen bis zum Ende des Jahres. Die Regierung verspricht finanzielle Hilfen, um den Folgen der Wasserknappheit entgegenzuwirken.

  • Italien ächzt unter Trockenheit

    Extern abgezapft

    In Levo, nordwestlich von Mailand, zapfen sich Anwohner Trinkwasser von einer öffentlichen Quelle ab. Unter anderem in Mailand, Verona und Pisa wurde den Menschen verboten, tagsüber Autos zu waschen, private Schwimmbäder zu befüllen oder Gärten zu bewässern. Trinkwasser soll nur noch zum Kochen, Trinken und Waschen verwendet werden.

  • Italien ächzt unter Trockenheit

    Gefahr für den Getreideanbau

    Luca Rizzotti zeigt Reiskörner, wie sie direkt nach der Ernte aussehen. Reis braucht viel Wasser für seinen Lebenszyklus, und das Gebiet zwischen Novara und Pavia ist von ernsthafter Wasserknappheit bedroht. Etwa die Hälfte der Ernte ist gefährdet. Für viele Landwirte und Produzenten könnte das auch zu einem existentiellen Problem werden. Auch die Viehzüchter leiden unter der Dürre.

  • Italien ächzt unter Trockenheit

    Ausgetrocknete Zuläufe

    Diese Ansicht zeigt das ausgetrocknete Flussbett am Zusammenfluss von Ticino und Po bei Ponte della Becca, in der Nähe von Linarolo. Noch nie seit Beginn der Wetteraufzeichnungen vor 70 Jahren war der Wasserstand des Po niedriger. Wissenschaftler warnen seit vielen Jahren vor zunehmender Trockenheit in Norditalien.

  • Italien ächzt unter Trockenheit

    Klimawandel schreitet voran

    Die steigenden Temperaturen in der Folge des Klimawandels sorgen auch dafür, dass weltweit viele Gletscher schmelzen. Fachleute sehen auch Zusammenhänge zwischen den aktuell hohen Temperaturen und dem Gletscherbruch in den Dolomiten am Marmolata-Gletscher vor wenigen Tagen. Bei dem Unglück kamen mindestens sieben Menschen uns Leben.

    Autorin/Autor: Claudia Dehn

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