Entdeckt, verfemt, gefeiert: Wie die Expressionisten um Anerkennung kämpften | DW

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Die Bilder sind doch gar nicht fertig gemalt, allenfalls schlampig dahin geklatscht – und dazu diese grellen schreienden Farben; Häuser sind plötzlich sattgrün und Bäume flammendrot, Menschen safrangelb und Pferde tiefblau – unerhört: So war das vorherrschende Urteil des Publikums über den neuen Malstil Anfang des 20. Jahrhunderts, der später unter den Namen Expressionismus in die Geschichte eingehen sollte. Eine der ersten Ausstellungen dieser Malrichtung war schon 1905 im Pariser Salon zu sehen. Was Henri Matisse und weitere junge Künstler dort ausstellten, schockierte ihre Zeitgenossen. Ein Kunstkritiker verpasste ihnen den Namen “les fauves”, die wilden Tiere.

Expressionismus als Antwort auf den gesellschaftlichen Umbruch

Die “Fauvisten”, sozusagen die Vorläufer der Expressionisten, stemmten sich gegen die gängigen Kunstkonventionen. Der offizielle Kunstbetrieb war damals von repräsentativer Malerei beherrscht, der kaiserliche Hof in Deutschland unterstützte die in akademischen Konventionen erstarrte Malerei.

Die expressionistische Kunst rebellierte gegen diese festgefahrenen Traditionen und richtete ihren Blick auf den gesellschaftlichen Umbruch in Zeiten fortschreitender Industrialisierung.Kunst war für die Maler ein Medium, ihre innersten Gefühle über die moderne Welt auszudrücken, sie wollten emotional aufrütteln. Zu den wichtigsten Vertretern dieses Stils gehörten Henri Matisse, Emil Nolde, Franz Marc, Erich Heckel, August Macke und Ernst Ludwig Kirchner.

Auch Erich Heckels Gemälde “Zwei ruhende Frauen” (1909) passte Anfang des 20. Jahrhunderts nicht in das gängige Bild von Kunst

Schon lange, bevor die Nazis systematisch gegen moderne Kunst agitierten, wurde expressionistische Kunst als “entartet” verurteilt. So hatte bereits 1913 ein preußischer Abgeordneter im Parlament Reproduktionen von Franz Marcs Gemälden herumgereicht und das Kulturministerium beschworen, “der krankhaften Kunst keine Förderung angedeihen zu lassen, d.h., insbesondere keine Ankäufe von Museen”: “Denn, meine Herren”, echauffierte er sich, “wir haben es hier mit einer Richtung zu tun, die von meinem Laienstandpunkt aus eine Entartung bedeutet, eins der Symptome einer krankhaften Zeit.” 

Ein Museums-Pionier geht neue Wege

Doch nicht alle standen der neuen Kunstströmung ablehnend gegenüber. Auch Karl Ernst Osthaus nicht, der im Sommer 1902 in Hagen das Folkwang Museum gründete. Bereits im Winter 1906/07 lobt der Maler Erich Heckel den Kunstsammler und Mäzen als “Vorkämpfer aller Kunst, die ein ‘Weiter’ in der Entwicklung bedeutet”. Er bat Osthaus darum, Werke der avantgardistischen Künstlergemeinschaft “Brücke” ausstellen zu dürfen und stieß auf offene Ohren.

Dieses Selbstbildnis von Paula Modersohn-Becker gehört zu den frühen Ankäufen im Folkwang Museum. Osthaus erwarb es nach dem Tod der Künstlerin

Auch Franz Marc und die erste Ausstellung der Gruppe “Der Blaue Reiter” war 1911 im Folkwang Museum willkommen.

In Osthaus hatte die zeitgenössische Kunstszene einen Verbündeten gefunden, den 1905 schon die Malerin Paula Modersohn-Becker in einem Brief an ihre Schwester lobte: “Das Schönste war für mich in Hagen das Museum eines Herrn Osthaus. Der hat die neueste Kunst um sich versammelt.” 

Egon Schieles Selbstbildnis fand in Osthaus einen begeisterten Abnehmer

Osthaus versammelte Kunst nicht nur in seinen Ausstellungen, er kaufte sie auch: Er erwarb Gemälde der Wiener Künstler Oskar Kokoschka und Egon Schiele,die so zum ersten Mal ihren Weg in ein Museum fanden. So dankbar war die junge Szene dem Museumsdirektor, dass sie ihm zum zehnjährigen Folkwang-Bestehen eine Lederkassette mit Zeichnungen und Aquarellen schenkte. Rund 50 Künstler hatten sich beteiligt, darunter Ernst Ludwig Kirchner, Max Pechstein, Wassily Kandinsky, August Macke, Emil Nolde, Franz Marc und Oskar Kokoschka. 

Neues Zuhause in Essen 

Zum Glück für die Expressionisten war Karl Ernst Osthaus nicht der Einzige, der ein Auge für zeitgenössische Kunst hatte. Im Kunstmuseum der Stadt Essen fand er im Leiter Ernst Gosebruch einen Mitstreiter. Dieser stellte 1910 Gemälde Emil Noldes aus und notierte damals überschwänglich: “Es sind neue, für Essen gänzlich unerhörte Wege, die dieser merkwürdige Künstler geht.”

“Stilleben mit Holzfigur” heißt dieses Werk Emil Noldes aus dem Jahr 1911

Als Karl Ernst Osthaus im Frühjahr 1921 an Tuberkulose starb, die er sich im Ersten Weltkrieg zugezogen hatte, holte Gosebruch dessen Sammlung nach Essen. Das Hagener und das Essener Museum verschmolzen, 1922 schlug die Geburtsstunde des neuen Museums Folkwang.

Doch mit der Aufgeschlossenheit für moderne Kunst war nach elf Jahren schon wieder Schluss. Als die Nazis an die Macht kamen, wurde Gosebruch 1933 durch einen linientreuen Nachfolger ersetzt. Die als “entartete” eingestuften expressionistischen Kunstwerke wurden beschlagnahmt, das Museumsgebäude fiel später im Kriege einem Bombenangriff zum Opfer. 

Dem Expressionismus treu geblieben: 100 Jahre Folkwang 

Doch es war nicht das Ende des ambitionierten Hauses. Schon 1948 stellte es in einem Ausweichquartier wieder eine Ausstellung mit expressionistischen Künstlern auf die Beine.

Der Wiederaufbau der Sammlung begann und heute, 100 Jahre, nachdem Osthaus sein Museum der modernen Kunst eröffnete, sind viele Meisterwerke expressionistischer Kunst wieder im Museum Folkwang zu sehen – in der Ausstellung: “Entdeckt – Verfemt – Gefeiert”. 

Die Schau läuft vom 20. August 2022 bis zum 8. Januar 2023.

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