Niedrigwasser auf dem Rhein bedroht auch Flusskreuzfahrt | DW

Posted on

Es ist Viertel vor zehn auf der Moby Dick, einem Passagierschiff, dass vom Alten Zoll in Bonn über den Rhein nach Koblenz fährt. In vier Minuten wird der Schiffskapitän die Glocke läuten, dann heißt es Abfahrt. Auf dem Sonnendeck scheint die Sonne, es wird ausgelassen geplaudert und gelacht. Eine Familie schafft es gerade noch rechtzeitig an Deck. Mutter und Kinder tragen Sonnenhut, der Vater trägt Glatze. Es riecht nach Sonnencreme.

Nach zwei Jahren Corona-Pandemie profitiert die Passagierschifffahrt nun von der großen Reiselust der Menschen und dem guten Wetter, berichtet Benjamin Krumpen, Geschäftsführer von Phoenixreisen, einem Anbieter für Hochsee- und Flusskreuzfahrten aus Bonn im Gespräch mit der DW. Nun ist die Branche jedoch vom Niedrigwasser im Rhein bedroht.

Passagierschiff “Moby Dick” am Anleger in Bonn

Die Lage verschärft sich

Benjamin Krumpen ist besorgt. Momentan sei noch alles in Ordnung, jedoch spitze sich die Lage seit dem vergangenen Wochenende zu. Acht Schiffe aus seiner Flotte hätten momentan Anpassungen wie leichte Routenänderungen vornehmen müssen, Stornierungen habe es zum Glück noch nicht gegeben. Sollte es jedoch dazu kommen, dann lägen die Verluste im Millionenbereich. Denn Fahrten umbuchen und von Köln aus statt nach Rotterdam einfach nach Basel und wieder zurück zu fahren, dass geht bei einer Flusskreuzfahrt logischerweise nicht. Schließlich haben sich die Gäste für ein bestimmtes Angebot an Bord, die zu besuchenden Städte und nicht zuletzt die Landschaft, durch die sie fahren wollen, entschieden – und die unterscheidet sich je nach Reise eben deutlich.

Nur noch mit einem Drittel der möglichen Ladung unterwegs: Binnenschiff auf dem Rhein

Deutschland braucht den Rhein

Schon seit Tagen führt der Rhein Niedrigwasser. Seit Wochen hat es kaum geregnet, die Pegel sinken immer weiter. Kleine Inseln entstehen, an einigen Stellen tauchen Autoreifen, Fahrräder oder sogar Grabsteine und Weltkriegsmunition auf. Dabei ist der Rhein eine der verkehrsreichsten Wasserstraßen der Welt und von großer Bedeutung für die deutsche Wirtschaft. Wichtige Rohstoffe wie Getreide, Chemikalien, Mineralien, Kohle und Ölprodukte gelangen über die Binnenschifffahrt zu Abnehmern wie Chemiefabriken oder Kraftwerken.

Als es 2018 zu vergleichbaren Problemen durch Niedrigwasser im Rhein kam, kostete das die deutsche Wirtschaft 0,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Vor dem Hintergrund der aktuellen Energiekrise könnten die Auswirkungen noch verheerender sein, wenn Kohle, Gas, Diesel und Öl nicht mehr geliefert werden können. Noch fahren die Schiffe aber. Zwar nur mit etwa einem Drittel der üblichen Fracht, um möglichst wenig Tiefgang zu haben, aber sie fahren. Da der Wasserstand des Rheins weiter sinkt, steht die Frage im Raum, ob der Schiffsverkehr vollständig zum Erliegen kommen könnte. Der Präsident der Wasserstraßen- und Schiffsverwaltung des Bundes, Hans-Heinrich Witte, sagte gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, dass er davon allerdings nicht ausgehe: “Theoretisch ist das möglich, aber ich halte es nicht für wahrscheinlich.”

Die Kreuzfahrt boomt

Lässt man die Bedrohung durch den niedrigen Wasserstand einmal außen vor, stellt man fest, dass es der Flusskreuzfahrt momentan richtig gut geht. Nachdem der Umsatz bei den Flussreisen im In- und Ausland während der Pandemie um zwei Drittel eingebrochen ist und die Passagierzahlen von 727.400 vor Corona auf 209.400 im letzten Jahr gesunken waren, erlebe man jetzt ein regelrechtes Comeback, sagt Krumpen. Die Anbieter rechnen jetzt mit Umsätzen wie 2019, also vor der Pandemie. Laut einer Studie des Deutschen Reiseverbandes (DRV) zum Reisemarkt im Jahr 2021 waren die Passagiere vor Corona im Schnitt 8,3 Nächte auf deutschen Schiffen unterwegs und zahlten einen Preis von knapp 1200 Euro. Allgemein verzeichnete die gesamte Kreuzfahrtbranche ein beeindruckendes Wachstum. Waren es 2010 noch weltweit 1,7 Millionen Gäste, die auf Flüssen und Meeren unterwegs waren, so waren es 2019 schon 3,7 Millionen. Laut DRV wächst auch der Markt für Flusskreuzfahrten jährlich um zehn Prozent. Um dem Zuwachs gerecht werden zu können, verzeichnen die Werften auch eine höhere Nachfrage nach Schiffen.

Niedrigwasser auf dem Rhein – hier bei Bingen im Jahr 2018

Blick in die Zukunft

In den kommenden Jahren wird es durch den Klimawandel häufiger zu Extremwetterereignissen, also auch zu Niedrigwasser im Rhein kommen. Bleibt also die Frage, ob das beim Bau neuer Schiffe eine Rolle spielt. Ob neue Flusskreuzfahrtschiffe zum Beispiel weniger Tiefgang haben sollten, um auch bei niedrigem Pegel länger fahren zu können. Das könne man nicht pauschal so sagen, antwortet Krumpen und verweist dabei auf das Hochwasser im letzten Sommer, welches unter anderem im Ahrtal zu katastrophalen Überschwemmungen führte und auch den Rhein zeitweise unbefahrbar machte. Man habe mit unterschiedlichen Arten von Extremwetterereignissen zu rechnen, dementsprechend sei ein geringerer Tiefgang beim Bau neuer Schiffe zu kurz gegriffen. Außerdem müsse man marktgerecht bleiben, also weiterhin genügend Gäste aufnehmen können. Weniger Tiefgang bei Flusskreuzfahrtschiffen sei schwierig.

Am Anleger in Bonn ist es mittlerweile soweit: Die Moby Dick – eher so etwas wie ein kleiner Verwandter der großen Pötte – legt ab. Der Kapitän läutet die Glocke. Das Schiff ist unterwegs. Auf dem Weg nach Koblenz wird es an mehreren Anlegern nicht halten können, aber noch fährt es.

  • Geliebt und gehasst: Kreuzfahrten

    Ein mobiles Hotel

    Heute Palma, morgen Barcelona, übermorgen Marseille – und das ganz ohne lästiges Koffer packen. Kreuzfahrttouristen schätzen den Komfort des schwimmenden Hotels. Sie können an Land die Metropolen der Welt erkunden, abends an ihrer Lieblingsbar einen Cocktail genießen und danach ins immer gleiche Bett fallen. Nirgendwo reist es sich wohl stressfreier als auf einem Kreuzfahrtschiff.

  • Geliebt und gehasst: Kreuzfahrten

    Wohlfühloase für Jung und Alt

    Kreuzfahrten sind langweilig und nur etwas für Rentner? Dieses Klischee hat längst ausgedient. Urlaub auf dem Kreuzfahrtschiff ist auch bei jüngerem Publikum äußerst beliebt. Die Ozeanriesen bieten ein abwechslungsreiches Programm für alle Altersgruppen. Von Sport über Wellness bis zur bunten Unterhaltungsshow ist für jeden etwas dabei.

  • Geliebt und gehasst: Kreuzfahrten

    Kreuzfahrt auf dem Expeditionsschiff

    Wer die Massen auf den großen Schiffen meiden möchte, kann eine Expeditionskreuzfahrt buchen. Die ist nicht nur kleiner, persönlicher und umweltfreundlicher als eine herkömmliche Kreuzfahrt, sondern erschließt auch entlegene Gegenden wie die Arktis und Antarktis. Die Exklusivität hat natürlich ihren Preis: Expeditionsreisen sind um ein Vielfaches teurer als eine durchschnittliche Kreuzfahrt.

  • Geliebt und gehasst: Kreuzfahrten

    Rundum sorglos für kleines Geld

    In den zahlreichen Angeboten der großen Reiseveranstalter ist alles drin. Ihre Kunden schätzen es, sich um nichts kümmern zu müssen. Mit ein paar Klicks ist das Rundum-Wohlfühl-Programm gebucht. Essen und Trinken sind meist inklusive, oft sind sogar die Flüge im Preis inbegriffen. Und all das gibt es meist zu niedrigen Preisen.

  • Geliebt und gehasst: Kreuzfahrten

    Hohe Umweltbelastung

    Den wahren Preis zahle vor allem die Umwelt, kritisieren Umweltschützer. Denn auch wenn sich die Kreuzfahrtindustrie mittlerweile um einen grünen Anstrich bemüht: Der Großteil ihrer Schiffe fährt noch immer mit Schweröl, dem giftigsten aller Kraftstoffe. Allerdings setzen einige Reedereien bereits auf sauberere Antriebsformen wie Flüssiggas, Schiffsdiesel und sogar Hybrid-Elektrosysteme.

  • Geliebt und gehasst: Kreuzfahrten

    Dicke Luft

    Da Kreuzfahrtschiffe oft direkt in der Stadt ankern, belasten sie Touristen und Bewohner gleichermaßen. Die Stromversorgung des Schiffes wird im Hafen mit Marinediesel sichergestellt. Der ist zwar sauberer als Schweröl, aber immer noch um ein Vielfaches schmutziger als PKW-Diesel. Die Luftqualität leidet immens. Eine flächendeckende Landstromversorgung könnte die Lösung sein.

  • Geliebt und gehasst: Kreuzfahrten

    Massenabfertigung

    Nicht nur an Deck kann es manchmal richtig voll werden. Auch die Städte leiden unter dem immer größeren Andrang der Kreuzfahrttouristen. Besonders in kleinen Städten wie Venedig oder Dubrovnik verstopfen die Landgänger die Straßen und belagern die Sehenswürdigkeiten.

  • Geliebt und gehasst: Kreuzfahrten

    UNESCO-Welterbestatus gerettet

    Venedig hätte wegen der Kreuzfahrtschiffe in seiner Innenstadt beinahe den Status als UNESCO-Welterbe verloren. In letzter Minute erließ die Stadt ein Verbot, die “dicken Pötte” dürfen nun nicht mehr in der Altstadt anlegen, sondern müssen ein provisorisches Terminal auf dem Festland ansteuern. Auf lange Sicht sollen sie ganz aus der Lagune verbannt werden, um das fragile Ökosystem zu bewahren.

  • Geliebt und gehasst: Kreuzfahrten

    Satte Gewinne, schlecht bezahltes Personal

    Um Steuern zu sparen, fahren fast alle Kreuzfahrtschiffe unter sogenannten “Billigflaggen”. Durch Registrierung ihrer Schiffe in Ländern wie Italien, Malta oder auf den Bahamas zahlen die Reedereien weniger Steuern und fahren größere Gewinne ein. Die kommen jedoch oft nicht bei den Mitarbeitern an. Vor allem das Servicepersonal arbeitet in vielen Fällen weit unter dem deutschen Mindestlohn.

  • Geliebt und gehasst: Kreuzfahrten

    Durchstarten nach der Corona-Pause

    Fast zwei Jahre lang lag die Kreuzfahrtbranche coronabedingt brach – und viele der Touristendampfer lagen auf Reede, so wie diese drei Viking-Luxusliner im Hafen von Sassnitz. In dieser Saison nimmt die Branche wieder Fahrt auf und freut sich über viele reiselustige Hobby-Seefahrer. Na dann: Kreuzfahrt ahoi!

    Autorin/Autor: Felix Schlagwein, Martin Koch

Jasaseosmm.com Smm Panel is the best and cheapest smm reseller panel Buy Facebook Verification for instant Instagram likes and followers, Buy Verification Badge, Youtube views and subscribers, TikTok followers, telegram services, and many other smm services. telegram, and many other smm services