Ukraine: Vorbereitungen für den Gegenschlag? | DW

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Es waren monatelange Kämpfe zwischen der Wehrmacht und der Roten Armee 1943 im Süden der Ukraine. Bis die Wehrmacht sich schließlich Anfang November auf die westliche Seite des Flusses Dnjepr zurückgezogen hatte. Die Deutschen waren zuvor vernichtend bei Stalingrad geschlagen worden und sammelten sich unter dem Kommando von Generalfeldmarschall Erich von Manstein, einem überzeugten Nationalsozialisten, in der sogenannten Heeresgruppe Süd. “Die deutsche Wehrmacht musste Hunderttausende von Soldaten einsetzen, nur um die Eisenbahnlinien in der Ukraine und in Weißrussland zu schützen”, erinnert Ben Hodges im DW-Gespräch. Logistik sei letztlich kriegsentscheidend.

Soldaten der Wehrmacht bei der Schlacht am Dnjepr wie hier im Dezember 1943 bei Kiew

Der frühere US-General und Oberkommandierende der US-Streitkräfte in Europa zieht einen Vergleich zu Russlands Krieg gegen die Ukraine in diesem Sommer und die erfolgreichen ukrainischen Angriffe. So wie zuletzt auf den Flugplatz Saki auf der von Russland annektierten Halbinsel Krim. Oder auch ukrainische Artillerietreffer gegen mehr als 50 russische Munitionsdepots und Kommandoeinheiten in den von Russland besetzten Gebieten der Ukraine in den vergangenen Wochen. “Die Russen haben nicht einmal genug Leute oder Fähigkeiten” ihre Einsatzlogistik zu schützen, so Hodges. “Das zeigt also, dass sie verwundbar sind. Es zeigt auch, dass ihr logistisches System erschöpft ist.” 

Nachschub heute so entscheidend wie im Zweiten Weltkrieg

Der historische Vergleich ist schwierig. Die Wehrmacht führte damals einen brutalen Vernichtungskrieg, getrieben von der Ideologie der Nationalsozialisten. Und auch die Dimensionen sind andere: Die Rote Armee hatte allein bei Ihrem Vorrücken auf den Fluss Dnjepr 1,2 Millionen Soldaten verloren – tot oder verletzt.

Ben Hodges: Der frühere US-General und Oberbefehlshaber der US-Streitkräfte in Europa fordert im DW-Interview ATACMS-Raketen mit bis zu 310 Kilometer Reichweite für die Ukraine

Der Kreml hatte zu Beginn seiner Ukraine-Invasion am 24. Februar 150.000 Soldaten an die ukrainische Grenze gebracht. Und doch: Allein die riesigen geographischen Dimensionen der Ukraine stellten Militärs im Zweiten Weltkrieg vor ähnliche Probleme wie heute, wenn es um die Sicherung des Nachschubs geht. Hier sei Russland jetzt extrem verletzlich, sagt Hodges und fordert gemeinsam mit anderen Ex-Militärs, Politikern und Analysten der US-Administration und ihrer Verbündeter noch intelligentere Waffensysteme wie die Kurzstreckenrakete ATACMS (Army Tactical Missile System) mit einer Reichweite von 300 Kilometern für die Ukraine. Diese Rakete kann auch von den US-Artilleriegeschützen HIMARS abgeschossen werden, mit denen die Ukraine zuletzt die meisten Erfolge gegen die russischen Streitkräfte erzielte.

Ende Juli signalisierten Abgeordnete von Demokraten wie Republikanern in Washington Unterstützung für diesen Schritt. Mitte August stellt der ukrainische Verteidigungsminister Oleksij Resnikow allerdings klar, dass Washington bislang keine ATACMS-Raketen geliefert habe. Der Verdacht kam nach dem erfolgreichen Beschuss russischer Ziele auf der Krim auf – 210 Kilometer von der nächstgelegenen Frontlinie bei Cherson.

Russischer Atomschlag “unwahrscheinlich”

Vor allem der nationale Sicherheitsberater im Weißen Haus, Jake Sullivan, zeigte sich gegenüber der Lieferung solcher Waffensysteme bislang zurückhaltend – aus Furcht vor Eskalation. Doch Russland habe keine andere Möglichkeit der Eskalation, als eine Atomwaffe einzusetzen, argumentiert Ex-General Hodges, und das halte er “für äußerst unwahrscheinlich”. Allein schon weil es in der Ukraine gar keine Ziele gäbe, “die das Schlachtfeld für sie günstig verändern würden”. Zumal der Einsatz selbst einer taktischen Atomrakete mit geringerer Zerstörungskraft in der Ukraine umgehend den Kriegseintritt der USA und Großbritanniens nach sich ziehen würde, glaubt Hodges.

Russische besetzte Gebiete im Osten und Süden der Ukraine

Russlands Krieg gegen die Ukraine werde also konventionell entschieden. Deshalb bräuchte die Ukraine auch mehr modernes Kriegsgerät sowie Training der Soldaten. Seit Monaten kündigt der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj eine Gegenoffensive in der Süd-Ukraine an. Doch bislang reiche dafür die militärische Ausstattung noch nicht, sagt der deutsche Ukraine- und Sicherheitsexperte Nico Lange. Lange hatte in der letzten Regierung Merkel die frühere deutsche Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) beraten und sechs Jahre lang die Kiewer Vertretung der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung geleitet.

Die Ukraine habe bislang noch nicht “genug gepanzerte Fahrzeuge und nicht genug Kampfpanzer, um wirklich in diesem riesigen Gelände der südukrainischen Steppe mit einem großen Gegenangriff entscheidend Gebiet zurückzuerobern”. Derzeit würde die ukrainische Armee “die Voraussetzungen” für einen solchen Gegenschlag schaffen, sagt Lange im Gespräch mit der DW. Er kritisiert vor allem die deutsche Zurückhaltung bei den schweren Waffen für die Ukraine.

“Man hat Zeit verloren und man braucht natürlich für die Lieferung etwa von gepanzerten Fahrzeugen einen Vorlauf für Logistik und für Ausbildung. Jetzt wo die Ukraine Chancen hätte, ist eben noch nicht genügend von dieser Hilfe eingetroffen. Das ist sehr bedauerlich.”

Botschaften von Box-Weltmeister Klitschko

Sind die Raketenangriffe auf Eisenbahnlogistik, auf Führungs- und Kommunikationseinrichtungen der russischen Armee in den besetzten Gebieten also Vorbereitungen für den großen Befreiungsschlag in der Süd-Ukraine? Mitte August schrieb der Kiewer Bürgermeister Witali Klitschko auf Twitter: “Sei nicht dort, wo dein Gegner auf dich wartet. Sei dort, wo dein Gegner dich nicht erwartet. Sei beweglich.” 

Auch die Kommunikation der ukrainischen Eliten zielt offenbar auf Verwirrung des Gegners in Vorbereitung auf den Befreiungsschlag. Doch der könne ohne die notwendige Ausstattung nicht stattfinden, kritisiert Ukraine-Analyst Lange. “In Deutschland hieß es in den vergangenen Monaten oft, die Ukrainer könnten westliche Waffensysteme wie den deutschen Marder, den Fuchs oder den Gepard nicht schnell erlernen. Bei den amerikanischen HIMARS haben sie bewiesen, dass es sehr schnell geht. Jetzt bräuchten sie gepanzerte Truppenfahrzeuge wie den Marder.”

 Tatsächlich müssten viele ukrainische Soldatinnen und Soldaten derzeit mit Pick-Ups oder anderen Alltags-Fahrzeugen an die Frontlinien fahren. Ohne Panzerung also und deshalb mit hohen Verlusten. Mehr deutsche Panzer fordert auch der pensionierte US-General Ben Hodges. Deutschland müsse deutlich machen, dass “es der Ukraine hilft, Russland zu besiegen”. Andernfalls werde niemand mehr Deutschland respektieren: “Russland wird Deutschland nicht respektieren. Andere europäische Länder werden Deutschland nicht respektieren.”

Ukrainischer Sieg bis Jahresende?

Jetzt sei die Zeit, der Ukraine nicht mehr nur mit “Teelöffel-Portionen” zu helfen, sondern alles zu liefern, was irgend gehe. Dann könne das Land bis Jahresende die nach dem 24. Februar durch die Kreml-Truppen besetzten Gebiete befreien und danach die Krim und den Donbass womöglich durch Verhandlungen in den folgenden “ein, zwei Jahren”, so Hodges. Während nach außen hin der Kriegsverlauf in der Ukraine bei einem Patt angekommen zu sein scheint, nutze die Ukraine die Zeit um “eine Truppe aufzubauen, bis sie bereit ist, bis sie trainiert ist, bis sie genug Durchschlagskraft hat”. 

Für ihn sei klar, dass nach der Theorie des preußischen Generalmajors und Kriegstheoretikers Carl von Clausewitz Putins Streitkräfte in der Ukraine den “Kulminationspunkt” erreicht hätten. Die Kreml-Armee habe den Punkt überschritten, an dem sie “nicht mehr weiter in die Offensive gehen kann”. Russlands Armee habe weder die Ressourcen noch die Menschen noch die Energie mehr für eine weitere Großoffensive, “aus welchen Gründen auch immer”. Jeder erfolgreiche Treffer auf ein Munitionslager, einen Kommandoposten führe dazu, dass die russische Armee ihre Nachschubpunkte weiter und weiter zurückziehe, was für Russland “die Sache noch schwieriger macht, weil die Lastwagen mit der Munition jetzt weiter fahren müssen”. Wenn die Schlagkraft der ukrainischen Armee stark genug sei und die russische Infrastruktur ausreichend geschwächt – dann, so Hodges, werde die Ukraine den “großen Gegenangriff starten”.

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